Spur 1          Bauanleitung Bogenweiche


Liebe Modellbauer,

auf den nachstehenden Seiten können Sie Schritt für Schritt den
Bau einer Bogenweiche verfolgen.
Unser Dank geht an Herrn Oellrich, der mit viel Mühe und
hervorragender Detaillierung den Selbstbau dokumentiert und
bebildert hat.
Diese Bauanleitung bildet, mit geringfügigen Modifikationen, die Grundlage für den Bau aller Weichen aus unserem Gleissystem.
Auf Wunsch können wir Ihnen die Bauanleitung auch gerne zusenden.
Sollten trotzdem noch Fragen beim Selbstbau auftauchen können Sie uns aber auch direkt ansprechen. Wir stehen Ihnen gerne mit Rat und Tat
zur Seite.
Viel Spaß beim Selbstbau und viel Freude an der fertigen Weiche wünschen

Thomas & Claudia Obs
t


Schritt für Schritt zur schönen Bogenweiche

Wer seine Anlage mit Bogenweichen ausstatten möchte - und aus Platzmangel werden die meisten "1er" damit konfrontiert - muss entweder auf recht enge Radien zurückgreifen oder bereit sein, eine Menge Geld für eine schlankere Vertreterin mit akzeptablen Abzweigwinkeln zu investieren. Es sei denn, man greift auf die seit geraumer Zeit von HEGOB angebotenen Weichenbausätze zurück, die ein hervorragendes Preis-Leistungs-verhältnis aufweisen. Am Beispiel der Innenbogenweiche links, Radius 2400/1700 mm (HEGOB Artikel Nr. 392) soll nachfolgend der Bau einer Bogenweiche beschrieben werden. Das Prinzip lässt sich sicher auch auf andere Bausätze oder völlige Eigenbauten anwenden.

Benötigtes Werkzeug: Schraubstock, Metallsäge, Seitenschneider, Schlüsselfeile halbrund, Schieblehre, Pinzette, Lötkolben; zum Verkleben: Äthylacetat, oder UHU Hart, flüssiger Sekundenkleber.

Alle Bilder lassen sich zum vergrössern anklicken

1.

Zunächst werden alle Bausatzteile sortiert und auf einer ebenen Fläche ausgelegt.
In der nebenstehenden Abbildung oben zu sehen eine bereits fertig gestellte Weiche, darunter die Einzelteile des Bausatzes.
Die mitgelieferte Papierschablone wird auf einer ausreichend dimensionierten Styrodurplatte mit Pins befestigt.


2.

Die unterschiedlich langen ABS-Schwellen werden entsprechend der Abbildung ausgelegt. Um den Aufbau der Weiche zu erleichtern ist es ratsam, die Schwellen nach deren Lage vom Abzweig beginnend durchzunummerieren. Die Endschwellen mit bereits angespritzten Kleineisen werden entsprechend mit Großbuchstaben bezeichnet


3.

Anschließend äußeres und inneres Schienenprofil auf den noch nicht fixierten Schwellen exakt auslegen. Die Innenseite der Profile wird jeweils in der Lage zwischen der Schwelle Nr. 41 und 42 mit einem Faserstift markiert. Mit einer kleinen Metallsäge wird der markierte Bereich sauber herausgetrennt. Einfacher geht dies, wenn man die Schwelle in den Schraubstock einspannt, der zuvor mit "Pufferbacken" aus Styrodurresten bestückt wurde, damit der Vorgang keine Rillen auf dem Material hinterlässt. Die so entstehende Aussparung wird mit einer Schlüsselfeile sauber nachgearbeitet.

Die Aussparung sorgt dafür, dass die Zungenprofile mit ihrer Halterung in die Innenseite des Schienen-profils gleiten und passgenau am Profil anliegen


4.

Im nächsten Arbeitsschritt werden die Schwellen entsprechend der Größe im Lageplan abgelängt. Die Schwellen sind von unten einseitig und in unterschiedlichen Abständen mit Trennwänden versehen. Nach Maßgabe der Schwellenlänge erfolgt das Abtrennen mit einer Säge entlang der jeweiligen Trennwand. Nach dem Entgraten der Schwellen auf der gegenüberliegenden Stirnseite, werden diese mit wenig Klebstoff (z.B. UHU Hart) auf der Papierschablone fixiert.


5.

Wer die Schwellen noch vorbildlicher aussehen lassen möchte, kann diese an der Oberseite und seitlich mit einem scharfen Bastelmesser oder Skalpell anritzen, um eine Strukturierung wie in gealtertem Holz zu erhalten. Den Vergleich vor und nach dem Anritzen zeigt die nebenstehende Abbildung, die Mühe lohnt sich!


6.

Anschließend werden (die zuvor entgrateten) Schienenstühle entsprechend ihrer Funktion entlang der Schwellen ausgelegt:

a Schienenstuhl einseitig
b Schienenstuhl doppelseitig
c Gleitstuhl kurz
d Gleitstuhl lang mit Abstützung für Zungen
e Schienenstuhl mit Aufnahme für Radlenker

Die Anordnung der Schienenstühle auf den einzelnen Schwellen ist in nachfolgender Tabelle aufgeführt. Die doppelseitigen Schienenstühle müssen im Annäherungsbereich der Profile jeweils einseitig um die Schienennägel-Nachbildungen gekürzt (mit "b-k" bezeichnet) bzw. halbiert werden (mit "b-k-k" bezeichnet)

Schwellen-Nr.

Profil Innenbogen mit Radlenker

Links innenliegendes Profil mit Herzstück und linkem Zungenprofil

Rechts innenliegendes Profil mit Herzstück und rechtem Zungenprofil

Profil Außenbogen mit Radlenker

1

b

b-k

b-k

b

2

b

b-k

b-k

b

3

b

a

a

b

4

b

a 1)

a 1)

b

5 - 9

e 2)

a 1)

a 1)

e 2)

10

b

b-k

b-k

b

11

b

b-k

b-k

b

12

b

b

b-k

b

13 - 27

b

b

b

b

28

b-k

b

b

b-k

29 - 32

b-k

b-k

b-k

b-k

33

b-k-k

b-k

b-k

b-k-k

34

b-k-k

b-k-k

b-k-k

b-k-k

35

b-k-k

- 3)

- 3)

b-k-k

36

c

- 3)

- 3)

c

37

d

- 3)

- 3)

d

38

c

- 3)

- 3)

c

39

d

- 3)

- 3)

d

40

c

- 3)

- 3)

c

41 - 42

d

- 3)

- 3)

d

43

b

b

b

b

1) Herzstück, 2) Radlenker, 3) Zungenbereich


7.

Die Radlenker werden mit einem Seitenschneider vom Messinggussbaum abgetrennt und die Trennstellen mit einer Schlüsselfeile nachgearbeitet (Schraubstock mit Styrodurpolsterung!)

Nebenstehende Abbildung zeigt den Radlenker vor und nach dem Abtrennen vom Gussbaum


8.

Anschließend werden die Schienenstühle mit den Halterungen (e) auf die Radlenker aufgeklipst. Darauf achten, dass diese vollständig eingerastet sind. Die Abbildung zeigt die alte Version. In der aktuell von HEGOB ausgelieferten Version sind die Radlenker wie bei den Hübner-Weichen leicht sichelförmig gebogen, um Waggons mit langem Achsstand problemlos über die Weichen laufen zu lassen.


9.

Nun werden die Schienenstühle in der richtigen Reihenfolge nach obiger Tabelle auf die Profile aufgefädelt, beginnend bei Schwelle 33 zum Herzstück hin. Die halbierten Stühle (b-k-k) für die Schwellen 33 bis 35 werden später direkt auf die Schwellen aufgeklebt.
Im Bereich der Schwellen 5 bis 9 werden die vorbereiteten Radlenker mit ihren speziellen Schienenstühlen auf die Profile gefädelt. Sollte dabei ein Radlenker aus der Halterung geraten muss dieser unbedingt wieder eingeklipst werden, da ansonsten später nach dem Fixieren des Schienenstuhls auf der Schwelle der Radlenker womöglich zu weit über das Schienenprofil hinausragt (vorbildgetreu ist ein Überstand von max. 1.2 mm) und beim Überfahren Kurzschlüsse verursachen kann.
Die innenliegenden Profile werden mit Isolier-schienenverbindern mit dem Herzstück verbunden. Die Isolierschienenverbinder müssen exakt zwischen den Schwellen 9 und 10 mittig ausgerichtet werden.
Anschließend werden die Gleitstühle auf die Schwellen im Bereich der Zungenprofile auf die außenliegenden Schienenprofile geklipst und abschließend die Schienenstühle für Schwelle 43 aufgefädelt.
Die Profile werden mit Spaxschrauben entsprechend der Papierschablohne auf der Styrodurunterlage fixiert und die Schienen-/Gleitstühle endgültig ausgerichtet.
Mit Hilfe einer Schieblehre und eines Radsatzes wird die Einhaltung der exakten Profilweite von 45 mm an jeder Schwelle justiert und die Profile durch Anziehen der Spaxschrauben mit leichtem Druck an die Schwellen gepresst.

Abschließend werden die Schwellen A bis F auf die Profile aufgezogen. Dadurch bekommt die Bogenweiche bereits sicheren Halt.
Die Profilabstände werden ein letztes mal geprüft und bei Bedarf nachjustiert.


10.

Die Schienenstühle werden einzeln aus ihrer endgültigen Position seitlich um maximal eine Schwellenbreite verschoben. Die Schwellen erhalten jeweils an der Stelle für die endgültige Position der Schienenstühle links und rechts des Schieneprofils einen (!) Tropfen Sekundenkleber. Mit Hilfe einer Pinzette wird der Schienenstuhl sofort wieder in seine endgültige Lage zurück gebracht.
Diese Prozedur wird für alle Schienen- und Gleitstühle wiederholt.
Im Bereich des Herzstückes werden die kurzen Schienenstühle seitlich als Halterungen auf die Schwellen aufgeklebt, ebenso die oben genannten, halbierten Schienenstühle für die Schwellen
33 bis 35.


11.

Nach dem Trocknen kann die Papierschablone vorsichtig von den Unterseiten der Schwellen abgetrennt werden, evtl. die Schwellen mit wenig Waschbenzin oder Seifenlösung säubern


12.

Zum Schluss werden die Zungenprofile mit dem vorgesehenen "Stelleisen" verbunden und zusätzlich mit Messingscheiben fixiert, die von unten auf die Haltezapfen an den Zungenprofilen aufgelötet werden. Darauf achten, dass die Stellstange beweglich bleibt und die Zungen mit möglichst geringem Widerstand in die Innenseiten der Schieneprofile gleiten.


Die Stege an den Radlenkern werden bei Bedarf nachjustiert und von unten mit dem Schienenprofil verlötet.

Am Herzstück muss von unten noch ein Kabel für die Polarisation angelötet werden - fertig!


Mit ein wenig Muße gelingt der Bausatz in jedem Fall, Zeit muss man natürlich mitbringen. Ich habe für die erste Weiche - mit längeren Pausen - ungefähr eine Woche gebraucht, die letzte habe ich an einem halben Tag zusammen gebaut. Also, keine Bange, wie immer macht auch hier die Übung den Meister. Und der Mühe Lohn: eine wunderschöne Bogenweiche!

Wolfgang Oellrich


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